Frieden im Netz - eine Utopie?

Liane Mallinger, Prof. Caja Thimm, Andrea Benstein und Dennis Horn (von links) tauschten sich vor 120 Zuschauern über den „Frieden im Netz“ in der Coesfelder St.-Lamberti-Kirche aus.

Jeder, der in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, hat das Phänomen bereits beobachtet: Hasskommentare von Nutzern, die nichts anderes im Sinn haben, als zu hetzen, zu provozieren und zu verletzen. An „Frieden im Netz“ ist nicht zu denken. Vielleicht einmal in der Zukunft, doch im Moment ist dieser Aspekt des Friedens eher eine Utopie als Wirklichkeit. Doch es gibt gute Ansätze. Da waren sich die drei Gäste am zweiten Abend der Reihe „Chorgestühl“ in der Coesfelder St.-Lamberti-Kirche einig. Mit den Gesprächsabenden, die unterschiedliche Facetten des Friedens beleuchten, möchte das Bistum Münster die Menschen auf den diesjährigen Katholikentag in der Domstadt einstimmen.

Rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten interessiert den Ausführungen von Liane Mallinger von der Facebook-Gruppe #ichbinhier, Professorin Caja Thimm, Medienwissenschaftlerin an der Universität Bonn, und Dennis Horn, Journalist und Medienexperte. „Was treibt die Menschen an, sich in den sozialen Medien beleidigend zu äußern?“, fragte Moderatorin Andrea Benstein, Leiterin des WDR-Studios in Münster, in die Runde. „Es wird ihnen leicht gemacht. Die Technik ist niedrigschwellig, und es gibt Vorbilder in der realen Welt. In der Politik beobachten wir beispielsweise eine sich verschärfende Debattenkultur“, erklärte Thimm. Zudem gebe es wenig, was sie abhalten würde. „Sie empfinden das Netz als rechtsfreien Raum, in dem sie keine unmittelbaren Konsequenzen wie beispielsweise eine strafrechtliche Verfolgung befürchten. Auch bleiben ihre Kommentare oft lange stehen“, erläuterte Horn. Wichtig sei es, gesellschaftlich und behördlich gegen diese Menschen vorzugehen.

Das hat sich das Netzwerk #ichbinhier, das im vergangenen Jahr mit dem Grimme-online-Award ausgezeichnet wurde und dem inzwischen 36.000 Menschen angehören, auf die Fahnen geschrieben. Sie mischen sich ein, wenn sie Verstöße feststellen. „Uns geht es nicht darum, Meinungen zu bilden, sondern wir versuchen respektvoll miteinander umzugehen. So antworten wir auch sachlich auf Kommentare, in denen Nutzer rumpöbeln“, berichtete Mallinger  über das Vorgehen der Gruppenmitglieder. Mit der Zeit habe sie ein Gespür dafür entwickelt, wo es Sinn mache, sich auf Diskussionen einzulassen und wo nicht. „Das Netz ist wie ein virtueller Stammtisch. Im Gegensatz zur realen Welt scheinen Werte keine Rolle zu spielen. Es gibt viel Unsicherheit. Wir haben noch keine digitale Zivilgesellschaft“, weiß Thimm. 

Auf Facebook-Seiten von Redaktionen oder Sendern sei es wichtig, dafür zu sorgen, dass die Spielregeln, die für diese Seiten festgelegt worden seien, eingehalten würden. „Das scheitert häufig am Geld, denn man braucht Personal. Social-Media-Redaktionen sind häufig dünn besetzt“, weiß Horn, der selbst Sender und Redaktionen berät.

Eine Möglichkeit, gegen die Hetzer anzugehen, seien Strafanzeigen. „Ein paar waren auch schon erfolgreich. Der Symbolwert ist sehr hoch“, sagte Thimm. Doch, so ergänzte Mallinger, sei es nicht immer einfach, die Täter zu finden. „Denn viele nutzen ein Fake-Profil. Um an sie heranzukommen, braucht man einen Code von Facebook. Und diesen geben sie nicht heraus“, beschrieb sie das Problem.

Am Ende des gut einstündigen  Gesprächs war klar, dass es neben Hass, Mord und Totschlag auch viele gute Beispiele im Netz gibt, und dass die Mehrheit der Nutzer weder pöbelt noch hetzt. Allerdings sei der „Frieden im Netz“ noch in weiter Ferne. Aber es gibt sowohl gesellschaftliche als auch politische Entwicklungen, die in die richtige Richtung weisen.

Weitere Informationen zum Chorgestühl hier.

(Text und Foto: Bischöfliche Pressestelle)

Friedensverträge

Alle gestalteten Friedensverträge können bis zum 1. Oktober 2018 abgeholt werden. Weitere Informationen hier.

    

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